Süddeutsche Zeitung vom 28. 5. 2001, LKN Seite 6


Rund 66 Quadratmeter war die Leinwand groß, auf der die Kirchheimer Gymnasiasten professionelle und eigene Filme zeigten. Aufgepumpt worden war die Leinwand mit Kompressoren.

Viertes "Kino Open Air" des Kirchheimer Gymnasiums
Party-Stimmung beim Open Air
Rund 500 Besucher sahen unter freiem Himmel "Road Trip", "American Beauty" und Kurzfilme

Kirchheim - "Letztes JAhr hatten die Leute noch keine Klappstühle dabei", sagt Brigitte Heinsius-Kopp lächelnd. Die Kulturreferentin der Gemeinde Kirchheim zeigte sich sichtlich erfreut, dass die Schlange vor der Kasse des Kirchheimer "Kino Open Airs" immer länger wurde und die Leute mit Camping-Ausrüstungen anrückten: Klapp- und Liegestühle, Isomatten und Schlafsäcke hatten die Besucher mitgebracht.

Dabei hat es am frühen Freitagabend gar nicht gut ausgesehen für das Open Air. Nach einem schwül-heißen Tag begann es zu regnen. Die Wiese hinter dem Jugendzentrum, wo am Nachmittag die 66 Quadratmeter große Leinwand aufgebaut worden war, war nur spärlich besetzt. Dunkle Wolken hingen am Himmel, heftige Windböen brachten die Leinwand zum Wackeln. Doch Petrus hatte einsehen. Um 18.48 Uhr war das Einzige, was noch am Himmel zu sehen war, ein glutroter Sonnenuntergang. Das Open Air konnte begnnen.

"Es füllt sich trotz der Kühle", bestätigte Heinsius-Kopp fünf Minuten später. Immer mehr Grüppchen von Jugendlichen ließen sich auf Decken oder Matten auf dem Gras nieder. Das Open Air nahm den Charakter eines gesellschaftlichen Ereignisses an: Man saß oder stand beieinander, ratschte und lachte, trank das ein oder andere Bierchen. Bevor der erste Film begann, war die Stimmung prächtig. Das "Kino Open Air" war zur Party mutiert. Die Atmosphäre erinnerte an ein Rock-Festival. Gegen zehn Uhr begann der Film "Road Trip". Genauer gesagt begann der Vorspann. Nach vier Sekunden war wieder alles dunkel. "Och, das hatten wir letztes Jahr auch", beruhigte Heinsius-Kopp. Lautes Gelächter von über 500 Jugendlichen schallte über die Wiese. Einige der Organisatoren rannten zum Sicherungskasten. Kurz darauf konnte es prompt weitergehen. "Sie, der Film ist ja in Cinemascope", meinte plötzlich der Mitarbeiter der Firma Tape, die für Leinwand und Projektor zuständig war zur Kulturreferentin und zeigte auf die Rolle des zweiten Films des Abends: "American Beauty". Dafür brauche man eine Speziallinse für den Projektor, meinte der Experte. Flugs sprang Ralf Schumann mit einem Mitarbeiter von Tape ins Auto, um die Linse aus dem Lager in Taufkirchen an der Vils zu holen: "Aber fahr vorsichtig" rief ihm Heinsius-Kopp hinterher.


So gemütlich kann Kino sein: Zu später Stunde wurden die Schlafsäcke hervorgezogen.
(Foto: Ulla Baumgart)

"In zehn Minuten beginnt 'American Beauty'", beruhigte Walter Werther die Menge gegen 0.20 Uhr, als dsich die Pause zwischen den Filmen in die Länge zog. Dennoch, die Stimmung war nach wie vor prächtig. Als kurz darauf ein Tape-Mitarbeiter über die Wiese rannte, den Karton mit der Linse unter dem Arm, johlten jene, die das Linsen-Schlamassel mitbekommen hatten. "Vielleicht können wir aus dem Kirchheimer Kino Open Air einen Kult machen", sinnierte Heinsius-Kopp. Doch die tolle Atmosphäre am Freitagabend belegte: Der Kult exisiterte bereits.

Tom Webel

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