Süddeutsche Zeitung vom 25. 5. 2001, LKN Seite 6


Die Organisatoren des Kino Open Airs in Kirchheim, oben, von links: Philipp Becker, Brigitte Heinsius-Kopp, Ralf Schumann, Alexander Tielker, unten, von links: Jörg Schumann, Mathias Müller, Walter Werther, Karin Eiba

Viertes Kino Open Air in Kirchheim
Schüler zeigen Trickfilme bei "Kino Open Air"
Projektgruppe des Gymnasiums gibt es seit 1994 / Rund 750 Besucher kamen in den letzten Jahren
von Nicole Graner

Kirchheim - So wie der Fußballgott wieder mal ein Einsehen mit dem FC Bayern gehabt hat, wird es der Wettergott hoffentlich mit dem Organisations-Team des Kirchheimer "Kino Open Airs" gut meinen. "Wir brauchen nur gutes Wetter", erklärt Walter Werther (22), der als Organisator von Anfang an dabei war, und lacht zuversichtlich. Heute um 18 Uhr ist es wieder soweit: Das vierte Kirchheimer "Kino Open Air" startet im Jugendzentrum.

Angefangen hat alles 1994. Mathias Müller, Deutsch- und Religionslehrer des Kirchheimer Gymnasiums, inittierte an der Schule eine "Corporate Identity-Gruppe". Das Ziel war es, Schule und Schüler in den Mittelpunkt zu rücken und mit Projekten die Schule lebendig zu gestalten. Es kamen viele Ideen wie zum Beispiel das Schulradio, das es seitdem am Gymnasium gibt. Ein anderes großes Projekt spukte in den Köpfen der "CI-Gruppe" herum: sie wollten ein "Kino Open Air" auf die Beine stellen. Gesagt, getan. Die Leinwand und ein 16 Millimeter-Film wurden organisiert. Rund 150 Leute kamen zum ersten Kinoabend ins Gymnasium. Das war 1994.

Seitdem hat sich vieles verändert. Das Jugendzentrum Kirchheim stieg in die Organisation mit ein. Finanziell bezuschusste die Gemeinde das Projekt. "Wir wollten es einfach noch einmal probieren und besser machen", erinnert sich Ralf Schumann (22). Und Walter fügt hinzu: "Man hatte immer das Gefühl, man schaut fern. Wir wollten weg von diesem Home-Cinema-Gefühl." Kulturbeauftragte Brigitte Heinsius-Kopp setzte sich für die Idee der Jugendlichen ein und stellte Mittel aus dem Kulturetat zur Verfügung. "Ich habe sowieso jedes Jahr einen Etat für Jugendkonzerte eingeplant. Ob Konzert oder Film - das ist doch dann egak."

Das Filmformat änderte sich, die Leinwand wurde größer. Zwei große Filme und mehrere Filme der Filmgruppe des Gymnasiums Kirchheim, die unter der Anleitung von Robert Grimbs entstanden waren, wurden gezeigt. Der Aufwand lohnte sich. 750 Leute kamen dieses Mal in das Jugendzentrum. Beschwerden wegen der Lautstärke gab es kaum. Mathias Müller erinnert sich noch an einen Vorfall, der eher motivierte. "Ein Mann kam das letzte Mal und meinte, dass er von Grub hierher gelaufen sei, weil er wissen wollte, was hier eigentlich los ist. Ich erklärte ihm, dass wir ein Kino Open Air veranstalteten. Seine Antwort: Das ist ja super. Warum sagt ihr nicht Bescheid?"

Und heute? Das Organisationsteam, das sich einst aus einer Projektgruppe formierte, ist immer noch aktiv und das Kino Open Air hat noch größere Ausmaße angenommen. "Wenn wir so weitermachen, dann bekommen wir eines Tages noch die Leinwand vom Königsplatz", scherzt der 17-jährige Phillip Becker. Tatsächlich wird heute mit Kompressoren eine 66 Quadratmetet grpße Leinwand aufgeblasen. Zwei große Kino-Filme werden gezeigt. Und vielleicht wird der große Traum von Philipp becker doch noch Wirklichkeit. Die ersten Kirchheimer Filmfestspiele. (Siehe auch Kultur, Seite 7)

 

Anmerkung der Organisatoren: Das erste open air-Kino fand nicht 1994, sondern 1998 statt.

zurück...